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AUS DER GESCHICHTE VSETINS

 

 
 

Das Gebiet in den Tälern um den Fluss Bečva im mährisch-slowakischen Grenzgebiet war lange Jahrtausende der Urzeit unbesiedelt. Am dauerhaften Aufenthalt in dieser Region hinderte den Menschen das bergige Relief. Die tiefen bewaldeten Täler und die mitreissenden Wasserflüsse behinderten die landwirtschaftliche Besiedlung. Die Spuren von urzeitlicher Besiedlung der Umgebung Vsetíns sind demzufolge beinahe unerheblich.

Die ersten historischen Berichte, die Dokumente aus den Jahren 1297 - 1308 über Vsetín bringen, beziehen sich auf den Anfang der Besiedlung dieses Gebietes. Während noch im Jahr 1297 über Vsetín als über ein Gebiet am cimburk1Fluss Bečva gesprochen wird, ist das Gebiet im Dokument aus dem Jahr 1308 schon eindeutig beschrieben. Darin ist ein Städchen namens Setteinz mit Kirche und Mühle erwähnt, die Burg Freundsberg, und man spricht noch über eine weitere Ansiedlung im Tal um den Fluss Rokytnice. Vsetín (Setteinz), das in dieser Zeit im Besitz der Templerritter war, ging im Jahr 1308 über in die Pacht von Herrn Vok von Kravaře. Die Bezeichnung Wssetin erscheint in urkundlichen Dokumenten vom Jahr 1396 an, die erste Eintragung der Vsetíner Herrschaft in Landtafeln fand erst im Jahr 1505 statt. In der Haltung Vsetíns wechselten sich nacheinander Angehörige anderer Adelsgeschlechter ab, insbesondere die Herren von Cimburg (das Wappen auf dem Bild), vom heiligen Jura und aus Pezinok, aus Kunštát, aus Šelmberk, die Herren aus Pernštejn u.a.

Der Kolonialisierungsprozess im Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts schuf die Hauptstruktur der Besiedlung des Bezirkes. Vom 16.Jahrhundert an schritt die sogenannte Waldschlagkolonisierung fort, die zur Ausbreitung der landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten des Waldes führte. Im gleichen Zeitraum breitete sich um Vsetín aus den benachbarten slowakischen Bergen die Aufzucht von Ziegen auf der Alm aus, die später von der Schafzucht abgelöst wurde. Die Bezeichnung Walachen war ursprünglich dem Gesinde der Viehhüter vorbehalten. Obwohl das Viehhüten nie zur Gewährung des Lebensunterhalts für die hiesigen Bauern entscheidend war, trug es zur Entstehung der historischen Bezeichnung unseres Gebietes bei - die Walachei.

In der Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde in der Mitte des heutigen oberen Marktplatzes eine Festung erbaut, die mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts als Schloss umgebaut wurde. Sein hoher Turm ist bis heute die markanteste Dominante Vsetíns. Im Jahr 1609 gewann Vsetín Albrecht von Valdstein durch die Eheschliessung mit der jungen, vermögenden Witwe Lukrécie Nekšová aus Landek. Er wurde später ein bedeutender kaiserlicher Feldherr. Dieser berief auf das Vsetíner Herrschaftsgut die Jesuiten und eröffnete den Untertanen eine strenge Rekatholisierung. Mit der religiösen Unterdrückung war auch eine wirtschaftliche Unterdrückung verbunden. Der Widerstand der Untertanen zwang Valdštejn zu Zugeständnissen, u.a. auch zur Herausgabe von Privilegien aus dem Jahr 1612, mit dem er die Pflicht zur Fronarbeit der Vsetíner Untertanen in einen dauerhaften Lohn umwandelte. Die Unzufriedenheit der Walachen, aber auch der Verrat, den Valdštejn beim Aufstand der mährischen Stände gegen die Habsburger beging, wurde zur hauptsächlichen Ursache der langandauernden walachischen Rebellionen während des 30-jährigen Kriegs. Zu ihrem Zentrum wurde Vsetín. Die Aufständigen gaben den Widerstand auch nach dem Ausbrennen Vsetíns und den Hinrichtungen im Jahr 1627 nicht auf. Vom Jahr 1642 an standen sie Seite an Seite mit den schwedischen Truppen, aber am 26. Januar 1644 wurden sie vom kaiserlichen Heer endgültig niedergeschlagen. An die 200 Beteiligten am Aufstand wurden am 15.02.1644 in Vsetín hingerichtet. Diese Exekution wurde als eine der grössten und grauenvollsten Hinrichtungen in der Geschichte unseres Volkes berühmt. Vsetín und Dörfer in der weiten Umgebung wurden ausgebrannt. Ein markantes einigendes Element der Aufständigen war ihre nichtkatholische Religion. Die Bedeutung des Aufstandes, edle Ziele der Gewissensfreiheit und Religionsfreiheit vefolgend, schätzte der führende Repräsentant der Emigration nach der Schlacht am weissen Berge, Bischof der Brüdervereinigung Jan Amos Komenius hoch ein.

Mit dem Jahr 1653 wurde Vsetín Besitz des illes2führenden ungarischen Adelsgeschlechtes, des Grafentums von Illésházy, die es beinahe 180 Jahre im Besitz hatten und am tiefsten auf sein Leben und seine Entwicklung Einfluss nahmen. Zur Zeit des strengen katholischen Grafen Jan von Illésházy kam es wiederum zum Widerstand der Protestanten, der seinen Höhepunkt in weiteren blutigen Stürmen, im Einreichen von Petitionen bis zum Kaiserhof, das letzte mal im Jahr 1780 dem Kaiser Josef II. persönlich bei seinem Besuch in Vsetín hatte. Eine Beruhigung der Situation brachte erst das Toleranzpatent aus dem Jahr 1781. An die Zeit des Grafen Jan von Illésházy erinnern bis heute barocken Statuen und Kreuze in der Stadt und Umgebung.

Schon in der Zeit des 30-jährigen Kriegs breitete sich Vsetín von der ursprünglichen sogenannten Oberen Stadt - Horní město - auch auf das linke Ufer des Flusses Bečva aus, wo es früher nur Weiden gab. Im 15. Jahrhundert entstand dort eine herrschaftliche Mühle, bei deren Mühlgraben eine Fanggrube "Lapač" zum Fischfangen errichtet wurde. An dieser Stelle steht heute das Eisstadion "Na Lapači". Hier siedelten sich auch einige Flüchtlingsfamilien aus umliegenden Städten an, insbesonder aus Valašské Meziříčí, das schwer von den Kriegsbegebenheiten heimgesucht worden war. Diese neu entstandene Siedlung, sogenannte Untere Stadt - Dolní město Vsetín, bekam im Jahr 1647 das Statut eines eigenständigen Ortes, der mit dem bisher bestehenden Vsetín nur den Schultheissen gemeinsam hatte. Zwischen beiden Teilen kam es oft zu Auseinandersetzungen wegen der Steuern, Grundstücken, Märkten u.ä. Eines der ehemals umstrittenen Grundstücke im gegenwärtigen Zentrum der Stadt heisst bis heute "Svárov". Das Obere und Untere Vsetín wurden erst im Jahr 1849 vereint. stplan3In der Zwischenzeit wurde die Stadt aber in den Jahren 1663 und 1683 durch den Einfall der Türken und Tataren, und später der ungarischen Aufständigen verwüstet. Am schlimmsten aber wurde Vsetín im Jahr 1708 durch den Einfall der ungarischen Rebellen heimgesucht - wo fast die ganze Stadt in Asche fiel, und vom Schloss blieben nur abgebrannte Mauern. Es dauerte Jahrzehnte, ehe sich Vsetín von den erlittenen Schäden erholte.

Noch vor der Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Umgebung von Vsetín die industrielle Revolution, die die Nutzung riesiger Holzvorräte in den Buchen- und Nadelwäldern mit sich brachte. Zu den ersten Vsetíner Fabriken gehörte die Zuckerfabrik, Dampfsägewerke, eine Fabrik für Streichhölzer, im Jahr 1868 wurde die Glasfabrik gegründet. Seit dem Anfang der 70-er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde Vsetín zu einem bedeutenden Zentrum der Industrieproduktion von Möbeln aus gebogenem Holz in den Fabriken der Firmen "Jakub und Josef Kohn" und "Brüder Thonet". Beide Firmen gehörten in ihrem Fachbereich zur Weltspitze.

bubela-s4Im Jahr 1909 wurde Vsetín zur Bezirksstadt, und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs seine Bedeutung. Im Jahr 1885 wurde die Stadt mit dem Landesinneren durch die Eisenbahn verbunden, es begann der Aufbau von Schulen, des Krankenhauses, des städtischen Elektrizitätswerkes, der Wasserleitung und anderer öffentlichen Einrichtungen. Zur Verwirklichung einiger dieser Bauten trug gleichemassen T.G.Masaryk bei, der in dieser Zeit Abgeordneter des Reichsrates für tschechische Städte des östlichen Mährens war. Zu den Hauptiniziatoren des Aufbauwerkes in der Wende des 19. und 20. Jh. gehörten der langjährige Bürgermeister Josef Černocký und der Baumeister Michal Urbánek.

Das Eingehen der Möbelindustrie während der Weltwirtschaftskrise in den 80-er Jahren, sowie die Einschränkung der Produktion in den übrigen Betrieben, rief im Gebiet grosse Arbeitslosigkeit hervor, die erst der Aufbau eines neuen Betriebes Zbrojovka im Jahr 1337 eindämmte. In dieser Zeit war Vsetín schon bekannt durch die Produktion von Elektromotoren in der Fabrik von Josef Sousedik. Im Zeitraum während des 2. Weltkriegs verdoppelte sich, insbesondere durch den Verdienst der Waffenproduktion, die Einwohnerzahl der Stadt und erreichte eine Anzahl von 14.000. Zu den neuen Einwohnern gehörte vor allem eine grosse Anzahl von Angestellten der Waffenfabrik, die aus Brünn kamen. Während des Krieges entstanden in der Stadt nach und nach mehrere Gruppen von Widerstandskämpfern, von denen die Gruppe Josef Sousedíks am bedeutendsten war. Ihre Mitglieder begannen eine Zusammenarbeit mit der Gruppe Clay, die in Verbindung mit der Exilregierung in London war, und später mit der 1. tschechoslowakischen Partisanenbrigade Jan Žižkas, die in der Zeit der Slowakischen Volksaufstände nach Mähren gekommen war. Vsetín wurde am 4. Mai 1945 von Abteilungen des 1. tschechoslowakischen Armeekorps unter dem Komando von General Klapálek befreit.

Valašsko v práciDie Nachkriegsentwicklung der Stadt wurde eine Reihe von Jahren beeinflusst von den Folgen des jähen und schnellen Wachstums während des Krieges. Es entstand ein fühlbarer Mangel an Wohnungen, Geschäften, Schulräumen und medizinischen Einrichtungen. Die Orientierung auf die Entwicklung der Schwerindustrie und Waffenproduktion bedeutete die Schliessung von einer Reihe kleinerer Industriebetriebe, insbesondere von Fabriken für Messer, zur Herstellung von Glasperlen, zur Herstellung von elektrischen Kabeln. Im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung nach Februar 1948 kam es nach und nach zur Aufhebung des Privatunternehmens. Im Sommer 1949 arrangierten walachische Städte und Gemeinden in Vsetín eine bedeutende Provinzausstellung "Walachei auf Arbeit". Genau nach 50 Jahren riefen wir uns diese Ausstellung durch eine mehrtägige kulturell-gesellschaftliche Veranstaltung "Valašské záření" in Erinnerung.

Die mit dem Wachstum der Stadt verbundenen Probleme äusserten sich vor allem im Bereich des Wohnungsbaus und im Schulwesen. Eine Teillösung war der massive Aufbau von Siedlungen aus Plattenbauten in den Randgebieten der Stadt, begonnen im Jahr 1960. In den Jahren 1960 - 1990 hat sich die Einwohnerzahl der Stadt verdoppelt. Gegenwärtig leben in Vsetín rund 31 tausend Einwohner.

Bearbeitet aufgrund der Materialien von R.Pavlík und L.Baletka.

 
Verantwortlich: Administrátor
Enstanden / aktualisiert: 1.8.2007 / 1.8.2007

Kontext

Plazierung: Dokumentendateien > O městě
 

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