Josef ČERNOCKÝ (1854 - 1939)
Der gebürtige Vsetiner Josef Černocký war gelernter Metzger. 1893 wurde er zum Bürgermeister gewählt, und von dieser Funktion verabschiedete er sich erst im Jahr 1919, nach langen 26 Jahren. In dieser Zeit war die Funktion des Bürgermeisters eine ehrenamtliche Funktion, und in der Stadtleitung waren weiterhin drei Raatsherren und sogenannte Komitees. Insgesamt bestand die Stadtvertretung aus 30 Personen. Während des Bürgermeisteramtes J.Černocký, um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts kam es zur Veränderung der Stadt vom verfallenen Städtchen zu einer sich entwickelnden Industriestadt. Zu den bedeutendsten baulichen Aktionen in der Stadt kann zum Beispiel die Errichtung des Elektrizitätswerkes, der Bau des Krankenhauses, der Schule in der Unteren Stadt, des neuen Rathauses oder der Aufbau der städtischen Wasserversorgung und Kanalisation angeführt werden. Als Bürgermeister hatte Josef Černocký den Ruf eines rechtschaffenen Menschen und guten Haushalters. Die Bemühungen der Stadtvertretung gingen dahin, dass sich Vsetín entwickelt und dabei so wenig wie möglich verschuldet. Dem Bürgermeister gelang es auf Grund gut ausgearbeiteter Projekte die benötigten finanziellen Subventionen zu gewinnen, und das bis am Kaiserhof. Für seine Aufbauaktivität wurde er sogar vom Kaiser Franz-Josef I. mit dem goldenen und silbernem Verdienstkreuz ausgezeichnet.
Der Bürgermeister Josef Černocký hatte in seinem Haus in „Horní Město" eine Metzgerei und ausserdem führete er eine Landwirtschaft. Zusammen mit seiner Frau Rozalie erzogen sie vier Söhne. Sein grosses Hobby war die Schnitzerei und die Herstellung von Möbeln. Er nahm auch aktiv am hiesigen gesellschaftlichen und inbesondere religiösen Leben teil (als Mitglied des sogenannten Katholischen Konkurrenzausschusses, der den Besitz der katholischen Kirche verwaltete). Nach dem ersten Weltkrieg zog er sich aber aus dem öffentlichen Leben zurück und überliess die Leitung der Stadt seinen Nachfolgern. Die neue Zeit erfordete auch in der Leitung der Angelegenheiten der Stadt neue Menschen.
Michal URBÁNEK (1849 - 1923)
Michal Urbánek wurde am 29. September 1849 in Vsetín geboren, in der Familie eines Maurermeisters. Er besuchte die Schule in Vsetín und später die Realschule und deutsche Technikerschule in Brünn. Als Student beteiligte er sich an der tschechischen Volksbewegung in Brünn, wo er in den Verband „Sokol" eintrat. Er erreichte den Titel „Architekt", und seit dem Jahr 1882 wirkte er in Vsetín als Baumeister. In Urbáneks Büro entstanden Pläne von -zig Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und öffentlichen Bauten - u.a. der katholischen Kirche und Schule in Bratřejov, der evangelischen Kirche in Pozděchov und in Střítež, des Hotels in Vizovice, aber besonders von Bauten in Vsetín - Schule der „Oberen Stadt" (1888), weiterhin der Plan zum Umbau der katholischen Kirche und der Pfarre (1889), die Rekonstruktion des Gebäudes der Bürgervorschusskasse und Maštaliska, des Hotels „Pančava" (1892 - 1898), der Schulen in Jasenka (1890) und Jasenice (1893), aber auch von vielen Wohnhäusern, von denen bis heute das Haus der Brüder Hlavica in „Na Kopečku" oder das Haus „Kohms" auf dem „Unteren Marktplatz" (1899) stehen. Für den bedeutendsten Zeitraum Urbáneks Tätigkeit hält man das Ende des 19. Jahrhunderts, wo er den Architekten Dušan Jurkovič anstellte, der als erster in Ostmähren Elemente des im Kommen begriffenen Jugendstils verwendete. Nach 1900 kam Urbáneks Schaffen im Wettstreit mit der jüngeren Generation von Baumeistern schon weniger zur Geltung, obwohl es ihm auch später noch gelang, zwei grössere Aufträge zu gewinnen - das Projekt für die Unterschule (1908 - 1909) und des Städtischen Krankenhauses (1911).
Michal Urbánek beeinflusste mit seinem Schaffen stark das Leben Vsetíns im letzten Viertel des vorletzten Jahrhunderts. Von den Bauten, denen er die künstlerische Ausschaung seiner Zeit eingehaucht hatte, stehen noch einige, einige wurden umgebaut, einige saniert. Dank Urbáneks Beziehungen zum Beispiel erwarb die Vsetíner Bürgervorschusskasse die wertvollen Sgraffiti von Mikoláš Aleš und die Walachei erstrahlte in walachischen Dörfern, die seine Zimmerleute in Vsetín im Jahr 1895 für die ethnographische tschechoslawische Ausstellung aufbauten, dann nahmen sie sie auseinander, schickten sie nach Prag, und dort wurden die Bauten erneut aufgestellt.
Das Baugewerbe sicherte Urbáneks für Vsetíner Verhältnisse ein hohes Lebensniveau. Deshalb konnte er sich dem gesellschaftlichen Leben und aktiven Tätigkeiten in Vsetín widmen. Er wurde zum Beispiel Mitbegründer des Vsetíner „Sokols", den er - ähnlich wie der Bildungsverein „Snaha" - bis zu seinem Tod leitete. Durch diese Tatkräftigkeit erinnerte er an andere seiner Altersgenossen, die dem gesellschaftlichen Leben Vsetíns dieser Zeit eine nichtgesehene Dynamik verliehen.
Brüder HLAVICA
František HLAVICA (1885 - 1952)Er besuchte die Fachschule für Holzverarbeitung, an der Prager Akademie der bildenden Künste studierte er bei Professor Hanuš Schwaigr. Er malte auch an der Front während des ersten Weltkriegs. danach liess er sich in Brünn nieder, wo er gemeinsam mit seinen Brüdern Emil und Rudolf zu den führenden Persönlichkeiten des Brünner Kulturlebens gehörte. Im Jahr 1928 wurde er zum Professoren an der VUT in Brünn ernannt, und 10 Jahre später wurde er Dekan an der Fakultät für Architektur und Hochbauvesen. Er besuchte regelmässig die Walachei, illustrierte Bücher walachischer Schriftsteller. Im Jahr 1931 erbaute er auf dem Kamm Javorník die Hütte „Kohútka". Auf dem Foto sind F.Hlavica mit Jan Masaryk bei der Wiederenthüllung des Denkmals TGM in Vsetín zu sehen.
Emil HLAVICA (1887 - 1952)
Er studierte an der Schnitzerabteilung VŠUP in Prag und an der AVU bei Prof. Myslbek. Er widmete sich insbesondere der Bildhauerarbeit, aber auch der Medaillenkunst, der Zeichnerei und grafischer Illustration. Inspiration für sein Schaffen schöpfte er in der Walachei. Er ist der Autor des Denkmals von B.Smetana, L.Janáček und weiterer Werke.
Rudolf HLAVICA (1897 - 1971)
Er war gelernter Schnitzer, studierte auch an der VŠUP. Er liess sich in Brünn nieder, aber besuchte regelmässig die Walachei. Er ist u.a. Autor des Denkmals Štefaniks in Zarieč und des Denkmals der Befreiung in Vsetín.
Matouš VÁCLAVEK (1842 - 1908)
Er war Schuldirektor, Bezirksschulinspektor in Vsetín und einer der bedeutendsten Heimatkundler in der Walachei. Seine Arbeiten „Mährische Walachei", „Kinder in der Mährischen Walachei", „Walachische Hochzeit", „Hauptmannschaft von Valašské Meziříčí", Herrschaft von Vsacko", Bezirk Vsacko", „Die Geschichte der Stadt Vsetín" gehören zu der grundlegenden Werken über die Walachei. Er publizierte auch viel in Zeitschriften und leistete zum Lehrwörterbuch Ottos Beiträge.
MUDr. František SOVA (1853 - 1940)
Der gebürtige Kyjover arbeitete seit dem Jahr 1882 als städtischer Arzt in Vsetín. Er beteiligte sich aktiv am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt, arbeitete im Bildungsverein „Snaha", war Sammler und gründete im Jahr 1924 das Vsetíner Museum.
Richard PAVLÍK (1889 - 1966)
Der gebürtige Vsetíner und Patriot absolvierte das Lehrerinstitut und war dann als Lehrer und später als Schuldirektor in Hošťálková und Hovězí tätig. Durch seine heimatkundliche Arbeit leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung von Schrift- und Bilderdokumenten aus dem Leben des walachischen Volkes. Lange Jahre wirkte er als Stadt- und später als Bezirksarchivar. Nach dem zweiten Weltkrieg führte er die Chronik der Stadt, die er um die fehlenden Angaben aus den Jahren 1850 - 1930 und 1939 - 1944 ergänzte. Als Autor von Artikeln, Fotografien und Zeichnungen beteiligte er sich an der Herausgabe der Monografie „Vsetín" aus dem Jahr 1946, war bei der entstehung des Volkskunstensembles Vsacan dabei, im Jahr 1949 gehörte er zu den Organisatoren der Ausstellung „Walachei auf Arbeit".
Záviš KALANDRA (1902 - 1950)
Der Historiker, Publizist und Kritiker verlebte seine Jugend in Vsetín. Während des zweiten Weltkriegs war er in Konzentrationslagern gefangen, im Jahr 1949 wurde er erneut festgenommen und im Jahr 1950 im inszenierten Prozess mit Dr.Milada Horáková zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zu seinen bedeutenden geschichtlichen Werken gehört „Znamení Lipan", „Mácha a Palacký", „České pohanství"(Das tschechische Heidentum). Er wurde in Vsetín begraben.
Erich S. KULKA (1911 - 1995)
Geboren in Vsetín, lebte er bis bis zum zweiten Weltkrieg ein ruhiges Beamtenleben eines gläubigen Juden. Eine radikale Veränderung brachte der Aufenthalt und Aufstandstätigkeit in Konzentrationslagern. Er publizierte seine Kriegserlebnisse, und vor allem bemühte er sich um die Erziehung der jüdischen Jugend. Nach dem Jahr 1968 emigrierte er, war im Freien Europa tätig, und im israelischen Institut Jad Vašem und an einer Hebräischen Universität. Zum Hauptthema seiner Zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten gehörte die Moderne Geschichte der tschechischen und slowakischen Juden (das Dokumentierungsprojekt „Der Kampf der tschechischen Juden gegen den Nazismus", Bücher „Juden in der tschechoslowakischen Armee Svobodas", „Juden in der tschechoslowakischen Armee im Westen" u.a.)
Dušan Samo JURKOVIČ (1868 - 1947)
Als Landsmann der Slowakei war er von Jugend an mit der Walachei verbunden. Vom Jahr 1889 arbeitete er in Vsetín beim Baumeister M.Urbánek und beteiligte sich an der Vorbereitung für die Volkskunstausstellung in Prag 1891, für die Volkskunstausstellung in Vsetín 1892, und für die Volkskunstausstellung in Prag 1895 entwarf er das walachische Dorf. Er ist auch Mitautor einiger Vsetíner Bauten, Autor der Bauten „Maměnka" und „Libušín" auf Pustevny in den Beskyden, Autor der Kurhäuser im Kurort Luhačovice, Autor des Kreuzwegs auf Hostýn und anderer Bauten. Er publizierte in tschechischen und ausländischen Künstlerzeitschriften